Was ist es da

Normalweise schreibe ich, wie man sieht, tschechisch. Das hier ist im Wesentlichen mein tschechischer Blog. Doch ab und zu schreibe ich auch deutsch und ab und zu übersetzt jemand ein Text. Schließlich habe ich mir also auch eine Deutsche Seite zugelegt.

Würde sich dieser Text mit Ungarn oder Buddhisten befassen, würde er niemanden aufregen, doch was hat ein Goi über Juden zu schreiben? Die Juden sind etwas anderes. Vom Gott auserwähltes Volk, sagen viele. Doch es heißt keine Vorteile, versichern sie gleich, es ist eine Last der Verantwortung. Andere verstehen es so, dass ihnen andere dienen sollen. Es ist überraschend, wie viele von denen, die sich als Juden identifizieren, darunter gebildete, rationale, liberale, säkulare Menschen, von eigener Exklusivität überzeugt sind. Noch überraschender ist es, wie viele Gojim, die sich nicht als Juden identifizieren, das auch glauben. Zu den Ungarn oder Buddhisten würde es niemandem einfallen.

Ursprünge

Isrir (Israel) als eine der kanaanischen (phönizischen, palästinensischen, levantischen) Regionen wird erstmals um 1200 v. Chr. auf der Merenptah-Stele genannt. Das Königreich Israel wird auf der Meschva-Stele um 800 v. Chr. erwähnt, um 720 wurde es vom Neuassyrischen Reich erobert. Judea wird um 733 v. Chr. auf einer Tontafel als eine eigenständige Verwaltungsregion genannt. Von dem früheren Vereinigten Königreich Israel und Judäa, den Königen Saul, David und Salomo sowie von dem Salomos Tempel, die im Alten Testament beschrieben werden, wurden keine Spuren gefunden und sie gelten als literarische Fiktion. Zwischen 597 und 582 v. Chr. wurde Judäa zu einer babylonischen Provinz und ein Teil der Bevölkerung wurde in das Reich deportiert. Nach der Eroberung Babylons ordnete 458 v. Chr. der König von Persien, Artaxerxes I., ihre Rückkehr nach Judäa mit der Thora als bindendem Gesetz an. So entsteht eine Ethnie, die wir Juden nennen.

Die Thora, fünf Bücher Moses, bildet den Kern von Tanach, einer Sammlung vierundzwanzig Grundtexte der jüdischen Religion, die als Altes Testament in die christliche Bibel sowie aus einem guten Teil in den islamischen Koran aufgenommen wurden. Erfasst wurden sie im babylonischen Exil auf der Grundlage älterer Quellen. Die Flutlegende zum Beispiel stammt aus dem sumerischen Gilgamesch-Epos aus dem 3. Jahrtausend v. Chr. Die Lehren des persischen Propheten Zarathushtra, durch die die gesamte Thora durchgedrungen ist - Gott der Schöpfer, Messianismus, die Dualität von Gut und Böse, das Jüngste Gericht, der Himmel und die Hölle, der freie Wille usw. - stammt aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. Der Sabbat, der siebte Tag, ist ein alter babylonischer Feiertag.

Neben der Schöpfung der Welt, Adam und Eva, Kain und Abel, der Sintflut, dokumentiert die Thora die Schicksale des Geschlechts Abrahams, dessen Nachkommen der Herr (JHWH, Jahwe) zu einem großen Volk zu machen beschloss (Gen 12,2) und ihm das Land von dem Wasser Ägyptens an bis an das große Wasser Euphrat versprach (Gen 15,18). Als Identitätsmerkmal des Geschlechts Abrahams ordnete er die männliche Beschneidung (Gen 17,10) einschließlich der der Sklaven (Gen 17,12-13). Endgültig gewann Abraham Jehovas Gönnerschaft als er bereit war, ihm seinen beliebtesten Sohn Isaak zu opfern (Gen 22,10). Von dem erstgeborenen Sohn Ismael leiten ihren Ursprung die Araber ab, die Juden von dem zweitgeborenen Isaak, zum Schicksal der anderen sechs Söhne (Gen 25,2) äußert sich Thora nicht. Sie widmet sich ausschließlich dem einzigen Zweig – dem Isaaks zweitgeborenen Sohn Jakob, der durch Betrug den Segen seines Vaters ergattert hat (Gen 27,18-29) und dem Jehova im Traum das gesamte den Nachkommen Abrahams verheißene Land überschrieben hat (Gen 35,12).

Jakobs Sohn Joseph wird von den älteren Brüdern nach Ägypten verkauft. Dort macht er jedoch Karriere, die ganze Familie wandert zu ihm aus und wächst behaglich. Nach Josephs Tod dreht sich aber die Stimmung gegen Migranten, so dass Moses die Familie mit Jehovas Hilfe von Ägypten nach Kanaan herausbringt. Vierzig Jahre ziehen sie in der Wüste Sinai um und Jehova schließt mit ihnen einen Bund, dem nach er dem Geschlecht Jakobs Reichtum, Macht (Dtn 28,3-13) und den Besitz von Völkern verspricht, die größer und mächtiger sind als ihr (Dtn 11,23). Voraussetzung ist die strikte Einhaltung der Vorschriften und Rituale Jehovas einschließlich der Zehn Gebote, deren detaillierte Beschreibung den größten Teil der Thora füllt.

Nach Moses Tod dürfen die Juden den Jordan überqueren (Dtn 34,3) und das verheißene Land nach Jehovas Anweisungen erobern. Aus den Städten dieser Völker jedoch, die der Herr, dein Gott, dir als Erbbesitz gibt, darfst du nichts, was Atem hat, am Leben lassen. Vielmehr sollst du die Hetiter und Amoriter, Kanaaniter und Perisiter, Hiwiter und Jebusiter der Vernichtung weihen, so wie es der Herr, dein Gott, dir zur Pflicht gemacht hat, (Dtn 20,16-17), sieben Völker, die zahlreicher und mächtiger sind als du, wenn der Herr, dein Gott, sie dir ausliefert und du sie schlägst, dann sollst du sie der Vernichtung weihen (Dtn 7,1-2).

Mit dem Tod Moses enden die fünf Thora-Bücher. Das Buch Josua und das Buch der Richter beschreiben die Eroberung Kanaans. Die Bücher der Könige beschreiben die Herrschaft Sauls, Davids und Salomos, andere sind Chroniken, Weisheitssammlungen, Klagebücher, 16 der 39 Bücher des Alten Testaments sind Prophezeiungen.

Das Judentum wird als monotheistische Religion bezeichnet. Doch Tanach enthält viele Hinweise auf das Pantheon der damaligen Zeit, auf Azazel, Beelzebub, Moloch, die Gottessöhne, einschließlich Satan, Engel und den reibungslosen Übergang zwischen Gott und Mensch (so sahen die Gottessöhne, wie schön die Menschentöchter waren, und sie nahmen sich von ihnen Frauen, wie es ihnen gefiel. Gen 6,2). Jehova selbst präsentiert sich nirgendwo in der Thora als einziger Gott, sondern immer als erster Gott Abrahams bzw. des Geschlechts Jakobs - Du sollst neben mir keine anderen Götter haben (Ex 20,3). Es ist auch logisch - Jehova will der Gott der Hebräer sein, die anderen Völker haben ihre eigene.

Die Konfusion entsteht durch die Vereinigung des Schöpfers (El, Elohim, Allah im Koran, Gott im Alten Testament) mit dem Stammesgott der Hebräer Jehova (JHWH, Jahwe, Herr im Alten Testament). Der Thora nach schuf die Erde Gott, doch dann (ab Gen 2,4) werden sie als Gott, der Herr vereint, später (ab Gen 4,1) kommt nur mehr der Herr vor um noch später (ab Lev 11,44) zu dem Herrn, deinem/euerem Gott umgedreht zu werden. Der radikale Prophet Jesaja im babylonischen Exil geht noch einen Schritt weiter: So spricht der Herr, Israels König, / sein Erlöser, der Herr der Heere: Ich bin der Erste, ich bin der Letzte, / außer mir gibt es keinen Gott (Jes 44,6). Doch erst durch die Paulus Öffnung der christlichen Sekte für die Gojim wird der Gott der Juden zu dem universellen Gott.

Jehova ist der Gott aller Götter und der Herr über alle Herren, der große Gott, der Mächtige und der Schreckliche (Dtn 10,17), der den grenzenlos Ergebenen gnädig ist, eifersüchtig, der jede Untreue grausam bestraft und die Schuld der Väter an den Söhnen, an der dritten und vierten Generation verfolgt (Ex 20,5), fest entschlossen, seine Macht durch den auserwählten Stamm zu verbreiten. Wenn er ihm Katastrophen beschert, ist dies zweifellos eine Prüfung seiner bedingungslosen Hingabe (im Alten Testament Gerechtigkeit genannt) oder aber eine Bestrafung. Er gibt den Juden die Wahl: Falls sie gehorsam werden, werden sie über alle Völker der Erde erhoben, gedeihen, sich vermehren, siegen, andere werden sie fürchten (Dtn 28,1-13). Andernfalls wird er sie durch Armut, Mißernte, Krankheiten, Niederlagen, Unterwerfung, Zerstreuung und Ausrottung bestrafen (Dtn 28,15-68). Erich Fromm erkennt darin eine Wahlfreiheit. Die Eroberung Kanaans wird auch nicht um deiner Gerechtigkeit und deines aufrichtigen Herzens willen erfolgen, sondern um das Erlangen territorialer Kontrolle und erst in der zweiten Reihe um die Versprechungen zu erfüllen (Dtn 9,5).

Wie der Islam, besitzt auch das Judentum keine letztendliche Autorität wie der Papst oder der Patriarch. Die Auslegung des jüdischen Rechts, Halachas, ist Sache der Rabbiner, so wie das islamische Recht, die Scharia, vom Muftis ausgelegt wird. Wie der Islam, ist auch die jüdische Religion eine Mischung aus unterschiedlichen Meinungen, Interpretationen und Schulen. Die eigentliche Autorität des jüdischen Glaubens ist Der Talmud, eine Sammlung rabbinischer Interpretationen, Kommentare und Diskussionen.

Die zentrale Institution war einst der einzige Tempel Jehovas auf dem Tempelberg in Jerusalem, der vom Geschlecht der Priester verwaltet wurde, beginnend mit Moses' Bruder Aaron (Ex 28,1). Laut Tanach wurde der erste Tempel, der von König Salomo erbaut wurde, 586 v. Chr. während der Eroberung von Judäa durch Babylon zerstört. Der zweite Tempel, fertiggestellt 516 v. Chr., wurde 70 n. Chr. zerstört als der erste antirömische Aufstand niedergeschlagen wurde. Laut orthodoxen Juden wird der dritte Tempel mit der Ankunft des Messias gebaut, doch andere sehen keine Notwendigkeit mehr, da er überall durch Gebete ersetzt wurde, während Extremisten wie Benjamin Netanjahu versuchen, ihn sofort wiederherzustellen. Der Tempelberg faßt jedoch auch die höchsten christlichen Sakramente, den Tempel des Heiligen Grabes, sowie die mohammedanischen, den Felsendom und die Al-Axa-Moschee um. Die Wiederherstellung des Tempels ist also gleichbedeutend mit der Erklärung eines Religionskrieges.

Von den drei Aufständen gegen das Römische Reich in den Jahren 66-73, 115-117 und 132-135 wurde der letzte, von Bar Kochba angeführte, zur Katastrophe. Nach Angaben des römischen Historikers Cassius Dio wurden Juden aus Jerusalem vertrieben, über eine halbe Million Menschen getötet, fünfzig Städte und Tausende Dörfer zerstört. Die Thora sowie die Beschneidung wurden verboten, die intellektuelle Elite ausgerottet, Jerusalem in die römische Stadt Aelia Capitolina umgebaut und Judäa in Syrien-Palästina umbenannt. Einige der Überlebenden wanderten aus oder wurden in die Sklaverei nach Rom und in andere Länder verkauft und haben dort die bestehenden Diaspora gestärkt und neue gegründet.

Mittelalter

In den folgenden Jahrhunderten gewann allmählich das Christentum den Boden in Rom, 313 von Kaiser Konstantin I. legalisiert und 391 von Kaiser Theodosius I. zur Staatsreligion erhoben. Umgekehrt, um 740 wählte das Judentum als Staatsreligion Bulan, König des Chasarischen Khaghanats, der sich zwischen dem Byzantinischen Reich, Kiew-Russland und China ausbreitete und von Dutzenden Turkvölkern bewohnt wurde.

Während des Mittelalters entsteht weitere ethnisch differenzierte jüdische Diaspora. Auf der Iberischen Halbinsel treten seit dem 7. Jahrhundert Sephardim in Erscheinung, die Arabisch, Hebräisch und ihren eigenen Dialekt des Spanischen Ladino sprechen. Schätzungen zufolge lebten im 12. Jahrhundert 90% der gesamten jüdischen Bevölkerung hier, höchstwahrscheinlich Araber und Berber, die das Judentum der Islamisierung vorzogen. Nach der Reconquista im Jahr 1492 wurden sie zur Taufe genötigt, beziehungsweise zusammen mit den Mauren nach Nordafrika, den Osmanischen Reich, Südeuropa, Südostasien und Amerika auszuwandern.

Im Heiligen Römischen Reich tauchen im frühen 9. Jahrhundert plötzlich und in großer Zahl Aschkenasim auf, die den eigenen deutschen Dialekt Jiddisch sprechen. Auch hier zog es wahrscheinlich ein Teil der Bevölkerung vor, sich einer gewaltsamen Christianisierung durchs Übertreten zum Judentum zu entziehen. Im 11. und 12. Jahrhundert wurden sie von den Kreuzfahrern in Frankreich, Rheinland und Deutschland abgeschlachtet und nach Osteuropa vertrieben, wo sie zusammen mit den Chasarischen Juden eine zusammenhängende jüdische Besiedlung von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer erschufen.

Ein Großteil von Mizrachim aus Nordafrika, der Kaukasus Kette sowie dem Nahen und Mittleren Osten, die Arabisch, Aramäisch und Persisch sprechen, lebten seit Jahrhunderten und Jahrtausenden in ihren Ländern, bis sie 1948 zur Aussiedelung gezwungen wurden und heute etwa die Hälfte der israelischen jüdischen Bevölkerung ausmachen. Zusätzlich zu diesen größten jüdischen Ethnien gibt es kleinere Diaspora in Afrika, Indien und anderswo.

In den arabischen Ländern, seit dem 7. Jahrhundert islamisiert, im 14. Jahrhundert im türkischen Osmanischen Reich vereint, findet die jüdische Diaspora üblicherweise einen sicheren Hafen und erlebt ihre größte Blütezeit. Die islamische Wissenschaft und Philosophie entwickeln das griechische, indische, assyrische und persische geistige Erbe weiter. Die arabische Landwirtschaft erlebt eine revolutionäre Entwicklung. Der Handel spannt die alte Welt vom Atlantik über Afrika bis zum chinesischen Meer um. Juden und Christen sind zwar Muslimen nicht gleichgestellt und unterliegen einer besonderen Steuer, genießen jedoch Schutz und Religionsfreiheit und setzen sich in allen Bereichen erfolgreich durch.

Nach dem Zerfall und Niedergang des mittelalterlichen Europa begannen sich die Strukturen des neuen Heiligen Römischen Reiches durch die gewaltsame Christianisierung ab dem Ende des 8. Jahrhunderts zu festigen. Im Gegensatz zu Heiden oder Ketzern bleiben Juden verschont, sie werden Partner in den theologischen Disputationen und dank ihrer internationalen Verbindungen die einzigen Händler und geschätzte Vermittler. Die Thora verbietet Zinsen (Wucher, Ex 22,25 bzw. 22,24 in der deutschen Bibel; Lev 25,35-37); doch ausdrücklich beim Leihen einem aus meinem Volk bzw. deinem Bruder. Als die christliche Kirche die Zinsen verbietet, bleiben die jüdischen Kaufleute als einzige Kreditquelle für Christen übrig - mit 30% Zins und darüber.

Doch mit den Kreuzzügen gegen die Muslime wendet sich der christliche Fundamentalismus auch gegen den inneren Feind. 1096 töten die französischen Kreuzfahrer im Rhein viele Juden als Mörder Christi. Päpste, Kaiser und Monarchen fordern immer wieder ihren Schutz, betonen ihr Recht, unter Christen zu leben, und verbieten die Ausbreitung des antijüdischen Hasses. Mit der Festigung der Macht, der Entstehung radikaler christlicher Orden und der Säuberung von Hexen und Ketzern wird jedoch der Lebensraum der jüdischen Diaspora in den folgenden Jahrhunderten rapide enger. Sie werden der Hexerei und Häresie beschuldigt, zur Taufe gezwungen, aus dem Geschäft gedrängt, nur Wucherei bleibt ihnen als ein unverzichtbares, doch verachtetes Handwerk. Zu der Ermordung Christi und der Entweihung von Hostien werden Berichte über rituelle Morde an christlichen Kindern hinzugefügt. An vielen Orten ereignen sich spontan antijüdische Pogrome und als im 14. Jahrhundert die Juden beschuldigt wurden, Brunnen zu vergiften und die Pestepidemie auszulösen, entwickeln sie sich zu regelrechten Massakern.

Neuzeit

Ungeachtet der päpstlichen Appelle werden Juden zwischen 1290 und 1541 aus den meisten europäischen Ländern, beginnend mit England, ausgewiesen. Selbst Martin Luther kehrt nach enttäuschten Hoffnungen auf ihre Massenrekrutierung um und die protestantischen Länder werden noch antijüdischer als die katholischen. Die Juden ziehen nach Osteuropa, größere Gemeinden überleben nur in Prag, Wien, Frankfurt, Worms. Zum ersten Mal 1516 in Venedig und nach 1555 in ganz Europa wurden jüdische Ghettos, von einer Mauer umgebene und nachts verschlossenen Stadtteile, in gegenseitigem Einvernehmen errichtet. Sie sollen die ausschließliche Isolation der jüdischen Gemeinden aufrechterhalten und diese vor äußeren Bedrohungen zu schützen. Zum neuen Zentrum des jüdischen Lebens und der jüdischen Kultur wird im 16. Jahrhundert das liberale Polen, das den Einwanderern - auch christlichen - gleiche Rechte, religiöse Autonomie, wirtschaftliche Chancen, Sicherheit und Privilegien bietet. Zur Mitte des Jahrhunderts leben hier drei Viertel von der Million Juden.

Mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, dem Westfälischen Frieden von 1648 und der religiösen Toleranz beginnt die allmähliche Rückkehr zunächst nur wohlhabender Juden nach Mittel- und Westeuropa. Aschkenasim aus dem Osten werden zu Hoffinanzberater, Bankiers, Manufaktureigentümer, Diplomaten. Sephardim aus Italien und Spanien lassen sich in Hafenstädten nieder und bauen Handelsnetze vom Mittelmeer bis in die Neue Welt auf.

Die bisherige strikte Isolation jüdischer Gemeinden wird aufgelockert. Juden emanzipieren sich und integrieren sich in europäische Gesellschaften, zunächst mit einer Reihe von Einschränkungen, doch mit der Aufklärung und insbesondere nach der Französischen Revolution werden sie zu gleichberechtigten Bürgern. Zum großen Mißfallen eifersüchtiger jüdischer Gemeinden, die übermäßig emanzipierte Personen wie den niederländischen Philosophen Baruch de Spinoza, der auch von der katholischen Kirche verboten wurde, exkommunizieren. Das Judentum selbst befindet sich jedoch in einer liberalen Reformation und aus der Aufklärungsbewegung Haskala um den Berliner Sokrates Moses Mendelssohn entsteht eine neue säkulare nationale Identität. In der entgegengesetzten Richtung einer Rückkehr zu religiöser Mystik und Isolation entwickelt sich der Chassidismus um den Rabbi Israel ben Elieser in der polnischen Diaspora.

Das neunzehnte Jahrhundert in Mittel- und Westeuropa geht mit dem Aufstieg jüdischer Kaufleute, Bankiers und Industrieller einher, die oft in den Adelstand erhoben werden. 1870 gehörten achtzig Prozent der deutschen Juden zur Mittelschicht, sechzig Prozent zu der einkommensstarken Gruppe, die Familie Rotschild arbeitete sich zu einem der größten Reichtümer der Welt vor. Es gibt eine wachsende Anzahl jüdischer Akademiker, insbesondere Anwälte und Ärzte, Rabbiner mit Universitätsabschluß, Politiker und kritische Denker bis hin zu Karl Marx. Es entwickeln sich die jüdischen Kultur, Malerei, Musik, Literatur sowie der besonders wichtige und einflußreiche liberale Journalismus. Als eine Gruppe von Damaskus-Juden 1840 des rituellen Mordes beschuldigt wird, startet die Presse eine groß angelegte internationale Kampagne und zwingt das Osmanische Reich, sie freizulassen.

Nach dem Österreichisch-Ungarischen Ausgleich im Jahr 1867 folgt eine Massenwanderung von Chassiden von Galizien nach Cisleithanien - in einzigem Jahrzehnt bis 1870 wird sich die Zahl der Wiener Juden auf 150.000 mehr als verdreifachen. Zum Ärger des neuen jüdischen Bürgertums - schwarze Kaftane, Schläfenlocken, extravagante Kopfbedeckungen, Armut und ostentative Frömmigkeit stören das Image der kultivierten, liberalen, gut situierten und integrierten Juden.

Erfolge verzeichnet im 19. Jahrhundert auch die jüdische Gemeinde in den Vereinigten Staaten. Zur Kolonialzeit aus einer Viertelmillion Sephardim bestehend, wuchs sie durch aschkenasische Einwanderer zunächst überwiegend aus Bayern, Böhmen und Mähren rasant. Arme Hausierer werden in der freien Welt zu Ladenbesitzern, Großhändlern, Industriellen, Bankiers - Karrieren wie Marcus Goldmans oder Meyer Guggenheims sind das Vorbild des amerikanischen Traums. Entsprechend reformiert sich die amerikanisch-jüdische Identität - keine Nation, sondern eine Religion wie jede andere. Eine weitere Welle von zwei Millionen Menschen, die vor Pogromen aus Polen, Russland und Südeuropa fliehen, wird jedoch genauso mißmutig aufgenommen wie in Mitteleuropa. Ein großer Teil von ihnen findet Arbeit als Proletariat in den New Yorker jüdischen Textilfabriken und wird aktiv am Aufbau von Gewerkschaften, Selbsthilfeeinrichtungen und fortschrittlichen Zeitschriften beteiligt.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts änderte sich die Situation der größten jüdischen Bevölkerung, nachdem Russland die Kontrolle über die Polnisch-Litauische Union erlangt hatte. Die Konkurrenz der jüdischen Unternehmer, die weit verbreitete erbliche Verschuldung bei den jüdischen Wucherern, der Rückgang des Liberalismus und die Rückkehr zu konservativen Werten wie auch die anti-jüdische Haltung der staatlichen Verwaltung führten zu einer Welle von Pogromen, die nach der Ermordung des Zaren Alexander II zwischen 1903 und 1906 ihren Höhepunkt fand.

Moderne

Der Aufstieg der jüdischen Gemeinde in Europa belebt jedoch alte Aversionen und Mythen. Die mit der Industrie und den Banken assoziierten Juden werden als Verursacher sozialer Armut angesehen, als Synonym für Ausbeutung, Kapitalismus und den liberalen Markt. Die Blutidentität des Geschlechts Abrahams entspricht den zeitgenössischen Vorstellungen: die fremde minderwertige semitische Rasse gegenüber unserer überlegenen indoiranischen arischen Rasse. Die jüdischen Pläne der Weltherrschaft wurden in den Protokollen der Weisen von Zion dokumentiert, einem Text, der allgemein als Fälschung angesehen wird, ursprünglich in Russland veröffentlicht und wahrscheinlich zwischen 1902 und 1903 auch verfasst wurde. Zusätzlich zu den Kämpfen der Arten ums Überleben, der Klassen um die Produktionsmittel und der Völker um den Lebensraum kommt der Kampf der höheren Rasse mit den Auserwählten um die Vorherrschaft hinzu.

Rassismus, Antisemitismus, Autoritarismus, Imperialismus, antiliberale und antimoderne Einstellungen bilden zusammen den Umriss der neuen populistischen Politik des kommenden 20. Jahrhunderts.

Als Ausweg aus dem Scheitern der Emanzipation, durch die Affäre um den französischen jüdischen Offizier Alfred Dreyfuss noch verstärkt, schlug der ungarische Journalist Theodor Herzl 1896 die Errichtung eines Judenstaates in Argentinien oder Palästina vor. Im folgenden Jahr beruft er den Ersten Zionistischen Kongress nach Basel ein. Keine Religion, sondern eine Nation wie alle anderen. Heinrich Graetz dichtete ihr eine romantische Thora konforme Nationalgeschichte zu. Im Gegensatz zu anderen Völkern haben jedoch Juden keinen eigenen Staat, in den sie vor dem Hass und der Unterdrückung zurückweichen könnten.

1897 werden also drei politische Richtungen geboren, die das folgende Jahrhundert entscheidend prägen werden. Die Zionistische Weltorganisation (WZO) wurde in Basel gegründet, um einen jüdischen Staat in Palästina zu schaffen. In Vilnius wurde der Allgemeiner Jüdischer Arbeiterbund gegründet, eine Partei des russisch-jüdischen Proletariats, die im folgenden Jahr in Vilnius zum Mitbegründer der marxistischen Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands wird. Die Verschmelzung von nationaler und sozialer Identität liegt auch der Tschechischen National-Sozialen Partei in Prag zugrunde. 1903 wird sie in Ústí nad Labem (Aussig) zur Herausforderung und zum Vorbild für die Deutsche Arbeiterpartei (DAP). Nach dem Krieg wurde 1919 die deutsche DAP in München gegründet und im folgenden Jahr in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannt.

Für orthodoxe Juden ist jedoch Palästina ein heiliges Land. Ihr Verlust muß beweint werden, doch eine Neukolonialisierung vor dem Kommen von Messias wäre eine unzulässige Gotteslästerung und Verletzung des Willens Gottes. Seit dem 15. Jahrhundert haben sich jedoch neben der ursprünglichen jüdischen Bevölkerung auch Sephardim angesiedelt. Im 18. Jahrhundert beginnt die orthodoxe aschkenasische Einwanderung, die sich ausschließlich mit dem Studium der Thora beschäftigt und in Armut von ausländischer Hilfe lebt. Philanthropische Projekte moderner Bildung, Landwirtschaft, Handwerk, Wirtschaft und technischer Universität, die von europäischen und amerikanischen jüdischen Organisationen initiiert und finanziert wurden, lehnen die Einheimischen nachdrücklich ab. Um die Jahrhundertwende wird jedoch die erste Aliya Einwanderungswelle aus Rumänien und Russland die Zahl der Juden in Palästina auf 50.000 verdoppeln. Unter den Flüchtlingen vor den russischen Pogromen befinden sich in der zweiten Aliya Tausende sozialistische Revolutionäre wie David Ben-Gurion und Jizchak Ben Zwi, die künftigen Gründer und ersten Präsidenten des Staates Israel.

Niemand macht sich Sorgen über die palästinensischen Araber - für die rückständigen Stämme werden doch jüdische Bildung und Technologie zum Segen. Nur die Konkurrenz billiger arabischer Arbeitskräfte gibt Anlass zur Sorge, weshalb der Nationalsozialismus eine angemessenere Ordnung zu sein scheint als eine liberale Demokratie. Die Begeisterung für Kollektivismus und die Ablehnung vom Privateigentum lassen die Kibbuzim entstehen, Landwirtschaft- und später auch Industriekommunen, die ihren - ausschließlich jüdischen - Mitgliedern Arbeit und alle Grundbedürfnisse besorgen, Verteidigung und kollektive Kindererziehung inklusiv. Russische Einwanderer markieren den arabischen Widerstand gegen die jüdische Kolonialisierung als Ausdruck des gleichen Antisemitismus wie bei den russischen Pogromen und fordern eine strikte Trennung der arabischen und jüdischen Völker. 1907 gründen sie die geheime paramilitärische Einheit Bar-Giora und zwei Jahre später HaSchomer.

Zwischen den Kriegen

Im Ersten Weltkrieg kämpften und starben Juden in allen Armeen Seite an Seite mit den anderen, ein starkes Argument für Gleichberechtigung. Monarchien zerfallen und es entstehen demokratische Republiken, die die letzten Überreste der Diskriminierung beseitigen. Die Pariser Friedenskonferenz von 1919 kodifiziert Rechte nationaler Minderheiten. Polen, die Tschechoslowakei, Rumänien und Jugoslawien verpflichten sich ebenfalls, diese zu schützen.

Viele der Juden sind Initiatoren und Führer der Revolutionen in Russland, Alexander Parvus, Julius Martow, Leo Dawidowitsch Trotzki, Grigori Jewsejewitsch Sinowjew, Jakow Michailowitsch Swerdlow, sowie in anderen Ländern wie Rosa Luxemburg in Deutschland und Béla Kun in Ungarn, so dass der NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg gleich vom Judo-Bolschewismus spricht. Die 1920er Jahre sind das goldene Zeitalter der russisch-jüdischen Kultur, vertreten durch Namen wie Isaak Babel, Boris Pasternak, Sergei Eisenstein. Am Vorabend des nächsten Krieges ist Moskau mit 400.000 Juden die größte jüdische Stadt Europas. Nach der Konsolidierung der Macht von Josef Wissarionowitsch Stalin im Jahr 1928 wurden jedoch im Laufe von zehn Jahren mehr oder weniger alle bolschewistischen Revolutionäre hingerichtet und die jüdischen Einrichtungen als Ausdruck eines bürgerlichen Nationalismus aufgelöst.

Das liberale Deutschland ist zum Modell einer erfolgreichen Integration. Wir Juden sind stolz darauf, Deutsche zu sein, schreibt der Philosoph Hermann Cohen 1915. Mit der Kriegsniederlage, dem Friedensvertrag von Versailles, dem Landverlust, den Reparationszahlungen, der Hyperinflation und dem politischen Chaos der Weimarer Republik löst sich der deutsche Stolz jedoch schnell auf. 1933 kommt Adolf Hitler mit dem Programm seiner Wiederherrichtung an die Macht.

1916 organisierten die Briten die Arabische Revolte gegen das Osmanische Reich und ihrem Führer Hussein ibn Ali al-Haschimi versprachen sie die Königskrone des künftigen vereinigten Arabiens. Gleichzeitig schließen sie jedoch ein Geheimabkommen mit Frankreich über die Aufteilung Arabiens nach dem Krieg und der belarussischer Chemiker und Vorsitzender der WZO Chaim Weizmann überzeugt sie, dass Jischuw, die jüdische Besiedlung Palästinas, den britischen Interessen rund um den Sueskanal am besten entspricht. Die Balfour-Deklaration aus dem Jahr 1917 drückt die britische Unterstützung für die Errichtung eines jüdischen Heimatlandes in Palästina unter Wahrung der Rechte nichtjüdischer Gemeinden aus. An dem palästinensischen Feldzug der britischen Armee im Jahr 1918 beteiligt sich auch eine jüdische Legion.

Nach der Ausweisung russischer Staatsbürger durch das Osmanische Reich zu Beginn des Krieges sank die Zahl der jüdischen Einwohner Palästinas auf 45.000. Doch mit der dritten Aliya 1919-1923 kamen weitere 35.000 aus Osteuropa hinzu. Die Illusionen einer jüdisch-arabischen Zusammenarbeit lösen sich schnell auf und die Briten lavieren zwischen der Unterstützung von Aliya und der Notwendigkeit, Stabilität und Einfluß in der arabischen Welt aufrechtzuerhalten. Araber - die palästinensische Identität bildet sich erst später -, die in traditionellen Clans organisiert sind, fühlen sich zu Recht existentiell bedroht und die Erklärung von Balfour, die jüdische Kolonisierung sowie das britische Angebot einer autonomen Verwaltung lehnen sie entschieden ab.

Für die durch die bolschewistische Revolution inspirierten und in aufstrebenden politischen Parteien organisierten europäischen Aschkenasim ist es jedoch eine willkommene Gelegenheit, Strukturen des künftigen Staats zu ergründen. 1920 wurde der Jüdische Nationalrat gegründet und die zionistischen Arbeiterparteien werden zur wichtigsten politischen Kraft. Im selben Jahr wurde die Gewerkschaftszentrale Histadrut gegründet, die neben Arbeitnehmern auch Arbeitgeber, die Mittelschicht sowie die Arbeiterbank einschließt und zehn Jahre später das gesamte Wirtschaftsleben kontrolliert. Das Ideal ist, den Geist durch harte körperliche Arbeit und Unterordnung dem Kollektiv zu erheben. Im selben Jahr wurde die jüdische Legion in Hagana umgewandelt, eine reguläre Guerilla-Armee. 1925 wurde die Hebräische Universität von Jerusalem gegründet.

Nach der Einschränkung der Einwanderung in die USA im Jahr 1924 kommen in den folgenden vier Jahren der vierten Aliya weitere 80.000 Juden, hauptsächlich polnische Wirtschaftsmigranten. Mit dem Ha’avara-Abkommen von 1933 zwischen dem nationalsozialistischen Regime und den deutschen Zionisten über die Aussiedelung der Juden nach Palästina kommt in der fünften Aliya 1930-1939 eine weitere Viertelmillion aus Deutschland. Juden machen nun ein Drittel der Bevölkerung Palästinas aus. Das 1909 als Vorort der altertümlichen Hafenstadt Jaffa gegründete und 1920 zweitausend Einwohner zählende Tel Aviv wächst bis 1937 auf 150.000 Einwohner und wird zum Sitz jüdischer Verwaltungs- und Kultureinrichtungen.

Der Zustrom von Juden mit Unterstützung der britischen Besatzungsverwaltung, der Landkauf und die -enteignung, die rücksichtslose Vertreibung der dort lebenden Araber, die Angst vor der Zukunft, der Verlust der Freiheit, der Autonomie, der Existenzgrundlage, die jüdische Übernahme des Landes, führen zur Schaffung neuer politischer Strukturen und zu einer Reihe von arabischen Aufständen. Ein Zusammenstoß zwischen den jüdischen kommunistischen und sozialistischen Demonstranten am 1. Mai 1921 in Jaffa wird zum Zusammenprall zwischen Arabern und Juden mit 50 Toten auf jeder Seite. Gegenseitige Provokationen um die Klagemauer im Jahr 1928 eskalierten im folgenden Jahr spontan im ganzen Land durch arabische Angriffe auf Juden und umgekehrt, mit mehr als hundert Toten auf beiden Seiten. Die umfassendste Revolte unter dem Kommando des Jerusalemer Mufti Amin al-Husseini beginnt mit einem Generalstreik im April 1936, der sich zu einem landesweiten Aufstand ausdehnt und erst drei Jahre später durch den Einsatz von fünfzigtausend Mann starker britischen Armee sowie fünfzehntausend Hagana Kämpfer unterdrückt werden konnte. Über 5.000 Araber, über 300 Juden und 262 Briten wurden zu Opfern.

Auf arabischer Seite gebären die Revolten die Identität einer modernen palästinensischen Nation mit Führern, politischen Strukturen und Parteien, die jedoch nach dem unterdrückten Aufstand durch menschliche, materielle und wirtschaftliche Verluste, Dezimierung nationaler Eliten, ungleiche Chancen gegen eine effektivere jüdische Maschinerie mit britischer Unterstützung und nicht zuletzt durch schlechte Führung geschwächt ist. Al-Husseini ist Prototyp eines arabischen Diktators, der jeden Widerstand rücksichtslos beseitigt. Etliche wohlhabendere Palästinenser fliehen vor ihm und nach einer Reihe von Morden an Oppositionsführern beginnt ein Teil der Opposition, mit den zionistischen Diensten zusammenzuarbeiten. Al-Husseini ist vom Judenhass der deutschen Führer beeindruckt und will sie überzeugen, keine Juden mehr nach Palästina zu schicken. 1941 versicherte er Hitler und Ribbentropp, dass die Araber ihre natürlichen Verbündeten seien, weil sie gemeinsame Feinde hätten.

Für den Jischuw ist der palästinensische Aufstand jedoch eine Gelegenheit und ein Vorwand, um Strukturen auszubauen, die Hegemonie zu festigen, zur Härte und zur Radikalisierung. Nach dem letzten Aufstand wurde die Jüdische Agentur für Israel als eine inoffizielle Regierung gebildet, die arabischen Arbeiter wurden entlassen und durch jüdische ersetzt, in Tel Aviv wird ein neuer, vom arabischen Jaffa unabhängiger Hafen gebaut, eine autochthone Rüstungsindustrie gegründet und die Hagana von der britischen Verwaltung militärisch ausgebildet. Die Masseneinwanderung ist jedoch weiter untragbar und Großbritannien ist im bevorstehenden neuen Krieg auf arabische Verbündete angewiesen. Daher wird durch das Weißbuch von 1939 ein künftiger palästinensischer Staat proklamiert, der von Arabern und Juden gemeinsam verwaltet wird, sowie die Einwanderung auf 75.000 Personen innerhalb von fünf Jahren begrenzt und der Verkauf vom arabischen Land an Juden wird eingeschränkt.

Aus Protest gegen Hagans Zurückhaltung gegen die Araber trennte sich die paramilitärische Terroristeneinheit Irgun 1931 von ihr und schloss sich der rechtsextremistischen - revisionistischen in Selbstdarstellung, faschistischen für andere – Betar-Bewegung des lettischen Führers Wladimir Zeev Jabotinsky an, der eine Evakuation polnischer, ungarischer und rumänischer Juden nach Israel plant. Das Ziel ist Eretz Jisrael, das Groß- oder genauer: das gesamte Israel, das Gelobte Land, das ganze Gebiet unter britischem Mandat einschließlich Jordanien, bzw. das gesamte von Jehova verheißene Gebiet vom Nil bis zum Euphrat. Jabotinsky selbst sieht ihn als Lebensraum zweier gleichberechtigter Völker, seine Anhänger nur mehr eines einzigen. Neben der aktiven Verteidigung - verstehe: Terror gegen Araber - konzentriert sich Irgun auf die Organisation der illegalen Einwanderung. Gemeinsam mit der 1940 abgespaltenen faschistischen Kampftruppe Lechi, die Großbritannien für einen größeren Feind als Nazideutschland hält, üben sie Sabotagen und Terroranschläge gegen die britische Verwaltung aus.

Für die europäischen Konkurrenzparadigmen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist die kulturelle Vielfalt und der wirtschaftliche Erfolg der jüdischen Gemeinden, durch die modernen Rassentheorien und historischen Ressentiments umgerahmt, ein dankbares Thema der populistischen Politik. Dazu hat die Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre die liberale Demokratie als solche in Frage gestellt, mit der Folge der Machtübernahmen durch die nationalen autoritären Regime. Der Kosmopolitismus jüdischer Gemeinden scheint fremd, antinational und bedrohlich zu sein. Mit der Krise hat die Stimmung gegen Juden in ganz Europa und den USA zugenommen. Ein charismatischer populistischer Führer ist persönlich von dem antijüdischen Hass über jeden rationalen Maß besessen.

Nationalsozialismus

In der Nachkriegsreflexion verschmelzen die Begriffe Nationalsozialismus und Faschismus mit dem zeitlich und geographisch eingegrenzten deutschen Nazismus zusammen - zum Nachteil für das Verstehen von Ereignissen, Zusammenhängen und Mustern. Der Faschismus stellt eine autoritäre Ordnung dar, die - freilich im Interesse des Volkes – die endgültigen Entscheidungen an den Führer und abgeleitete hierarchische Strukturen delegiert. Es ist eine moderne Variante der römischen Diktatur und wird üblicherweise als ein Ausweg aus chaotischen Verhältnissen gerechtfertigt. Neben dem Faschismus von Benito Mussolini haben sich in der Zwischenkriegszeit Horthys Ungarn, Francos Spanien, österreichischer Austrofaschismus und andere mehr oder weniger autoritäre Regime etabliert.

Der Nationalsozialismus drückt die Verbindung von ethnischer und sozialer Identität aus. Er richtet sich gegen eine andere Ethnie mit unterschiedlichem sozialem Status innerhalb desselben geographischen Raums. In Mitteleuropa ist der erste - zumindest meines Wissens - politische Vertreter die Tschechische National-Soziale Partei - später Nationalsozialistische -, die sich gegen die Ausbeutung der tschechischen Arbeiter durch die deutsche Herrschaft stellt. Reziprok tritt 1903 die sudetendeutsche Deutsche Arbeiterpartei gegen die Bedrohung der deutschen Arbeiter durch das aufstrebende tschechische Element auf. Die Münchner Deutsche Arbeiterpartei wurde 1919 gegen das Ausbeuten der deutschen Arbeiter durch die jüdische Plutokratie gegründet. Ein Jahr später wird sich Adolf Hitler als ihr uneingeschränkter faschistischer Führer behaupten und die Partei in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenennen. Das Akronym Nazismus drückt diese zeitlich und geographisch abgegrenzte militante Verbindung von Faschismus und Nationalsozialismus in Deutschland zwischen 1920 und 1945 aus.

Das allgemeine Narrativ sieht den Nazismus und das Judentum als zwei unvereinbare Gegensätze. Fanatischer Hass hat jedoch ambivalentere Wurzeln. In dem Exzeptionalismus der übergeordneten germanischen Rasse kann man ein darwinistisches Pendant zu dem Exzeptionalismus der vom Gott auserwählten Rasse erkennen. Die Mystik des Blutes als Trägers rassischer Determinante - Gene sind noch unbekannt – bildet die Grundlage der Rassentheorien wie auch des Judaismus. Die Furcht von einer Kontamination durch minderwertiges Blut entspricht dem jüdischorthodoxen Verbot von Mischehen. Blut und Boden, die Verschmelzung von Rasse und Region, korrespondiert mit der Ausschließlichkeit des jüdischen Anspruchs auf das Heilige Land. Der Ostfeldzug zur Erlangung des Lebensraums für die germanische Rasse durch Genozid geschieht im Einklang mit den Jahwes Instruktionen für die Eroberung des Gelobten Landes, so wie schließlich auch die amerikanische Eroberung des Westens aufgrund der offenbarten Mission und die zionistische Eroberung Palästinas.

Historiker sind verlegen angesichts des kategorischen Sieg oder Tod Hitlers selbst in militärisch völlig aussichtslosen Situationen. Doch im Hinblick auf einen Gott, der groß, mächtig und schrecklich ist und von seinem Volk den absoluten Gehorsam und Opferbereitschaft fordert, ist es nicht unverständlich. Der Neid, die Eifersucht und der Hass auf Jehova, gemeinsam mit der Mystik eigener Auserwähltheit, dürften den totalitären Anspruch Hitlers, seine brutale Rücksichtslosigkeit, seinen antijüdischen Fanatismus und seine Irrationalität erklären.

Sie behaupten, dass ich Jude sei, beklagte sich Joseph Goebbels. Also beweise ihnen doch, dass du keiner bist, riet ihm Heinrich Himmler.

Heute können wir nicht beurteilen, wie stark die antijüdischen Stimmungen der Deutschen in der Zwischenkriegszeit tatsächlich gewesen sind, doch ihre Zunahme innerhalb und außerhalb der NSDAP ist unbestreitbar Hitlers persönliches Verdienst. Die Eskalation erfolgt schrittweise. Nach der Machtergreifung im Jahr 1933 werden Juden aus der Armee, den Ämter, aus einigen Berufen entlassen, jüdische Geschäfte werden boykottiert, jüdisches Eigentum arisiert. Das Ziel ist es, Deutschland von den Juden zu säubern und zu diesem Zweck wurde auch das Ha’avara-Abkommen über ihre Aussiedelung nach Palästina mit den deutschen Zionisten geschlossen. 1935 wurden die Nürnberger Gesetze zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre sowie das Reichsbürgergesetz verabschiedet. Das erste definiert Juden nach dem Anteil jüdischen Blutes, verbietet neue und annulliert bestehende Mischehen und verbietet den Geschlechtsverkehr zwischen Juden und Deutschen. Dem zweiten zufolge sind nur Deutsche oder Blutsverwandte Reichsbürger. In der Folge erstreckt sich die Regelung auch auf Zigeuner, Nigger und ihre Mischlinge.

Während der Reichskristallnacht 9./10. November 1938 zerstörten SA-Einheiten in deutschen, österreichischen und sudetendeutschen Städten jüdische Geschäfte, Wohnungen, Synagogen, Friedhöfe und töteten Hunderte Menschen. Anschließend werden rund 30.000 Juden in Konzentrationslager deportiert. 1939 sind die Hälfte der deutschen und zwei Drittel der österreichischen Juden ausgewandert. Zum Jahresende gibt es in Wien keinen einzigen Kinderarzt.

Nach dem Einmarsch ins Polen und seiner Teilung im September 1939 errichtete die NS-Verwaltung in den größeren Städten des Generalgouvernements - dem besetzten Teil Polens - Ghettos, um die polnische und die jüdische Bevölkerung zu trennen. Den Fronteinheiten der Wehrmacht folgen die Spezialeinheiten der Einsatzgruppen. Ihre erste Aufgabe ist die physische Liquidation der polnischen Führern, Intelligenz und Priestern. Nach dem Angriff an die UdSSR zwei Jahre später wurden kommunistische Funktionäre, Volkskommissare, Juden in höheren Positionen sowie Partisanen liquidiert. Die Kategorie der kommunistischen Partisanen erstreckt sich allmählich auf jüdische Männer im Alter von 15 bis 45 Jahren, später auf die gesamte jüdische Bevölkerung. Alleine in Babyn Jar wurden im September 1941 34.000 Juden unter dem Titel Partisanenbekämpfung erschossen, im Oktober rund 30.000 in Odessa. Der eroberte Lebensraum muss von Kommunisten und östlichen Untermenschen gesäubert werden - nicht nur von Juden, auch von den Roma, Slawen, geistig Behinderten. Die Flucht von 70-90% der ukrainischen Juden ist willkommen, da sie Energie, Kosten und Munition spart.

Die Lösung der Judenfrage stößt jedoch auf das Problem, dass die Welt in zwei Teile geteilt zu sein scheint: die Orte, wo Juden nicht leben können, und die, in die sie nicht einreisen dürfen, wie Chaim Weizmann auf der Konferenz von Évian über jüdische Flüchtlinge im Juli 1938 feststellt. Die westlichen Staaten lehnen sie ab, höchstens jüdische Kinder werden angenommen. Einem von Robert Kempner 1947 entdeckten Protokoll nach beschloss die Wannsee-Konferenz im Januar 1942 die Endlösung der Judenfrage, indem die Juden aus europäischen Ländern in Konzentrationslagern des Generalgouvernements physisch zu liquidieren sind.

Der Begriff Holocaust - oder Schoa - bezieht sich auf sechs Millionen Juden, die hauptsächlich in den Gaskammern von Auschwitz, Treblinka, Belzec und anderen Konzentrationslagern ermordet wurden. Viele Kritiker zweifeln jedoch nicht nur an der Anzahl der Toten, sondern sogar auch an der Existenz von Gaskammern, wobei Sympathie für den Nationalsozialismus oder Voreingenommenheit vielen sicherlich nicht unterstellt werden kann. Eine offene Diskussion ist nicht möglich, da Kritiker a priori als Holocaustleugner diffamiert, eingeschüchtert, verfolgt und bestraft werden. Als Illustration kann man die Schätzungsstreuung der jüdischen, Roma- und sudetendeutschen Opferzahlen vergleichen. Die totalitären Praktiken stellen die Glaubwürdigkeit der offiziellen Topoi ernsthaft in Frage. Doch eine größere oder kleinere Opferzahl macht die nazistischen Völkermorde weder besser noch schlechter.

Israel

Die Unabhängigkeitserklärung

Das britische Weißbuch sieht zwischen 1939 und 1945 75.000 Einwanderer in Palästina vor. Tatsächlich kommen nur etwa 50.000, die meisten illegal mit Hilfe von Hagana und Irgun. Bei Kriegsende wird jedoch die Viertelmillion überlebender Juden in alliierten Flüchtlingslagern zum Problem. In ihrer Einreise in die USA sieht Präsident Harry Truman soziale Risiken sowie eine Gefahr der kommunistischen Fünften Kolonne und dem zionistischen Projekt ist er wohlgesinnt. Gleichzeitig muß er jedoch die Interessen arabischer Länder angesichts der möglichen Konfrontation der Supermächte berücksichtigen. Großbritannien, das sich nach dem Krieg aus dem Nahen Osten zurückzieht, doch die Beziehungen zu arabischen Ländern und die Kontrolle vom Sueskanal aufrechterhalten will, versucht die Einwanderung gewaltsam zu verhindern.

Das ist aus der zionistischen Sicht ein klarer Verrat. Während des Krieges verhielt sich die Hagana den Briten gegenüber zurückhaltend, doch jetzt starten sie gemeinsam mit Irgun und Lechi eine Reihe von Terroranschlägen gegen das britische Mandat, Soldaten, Polizei, Militärausrüstung, Eisenbahnen, Brücken, Busse, Ölraffinerien, arabische Zivilisten sowie ethnische Säuberungen. Unter der Führung von Jabotinskys Nachfolger und späteren Ministerpräsidenten Menachem Begin jagte Irgun im Juli 1946 das King David Hotel in Jerusalem, das Hauptquartier des britischen Militärpersonals, in die Luft mit 91 Toten und 46 Verwundeten Briten, Araber, Juden und anderen.

Ratloses Großbritannien wandte sich an die Generalversammlung der Vereinten Nationen, die am 29. November 1947 mit der Resolution 181 die Teilung Palästinas in einen jüdischen und einen arabischen Staat sowie die internationale Verwaltung Jerusalems beschloss. Der Jubel an der jüdischen Seite wird an der arabische von Nakba begleitet, einem Gefühl tiefster Verzweiflung, Zerstörung, Katastrophe. Am nächsten Tag kündigte das Arabische Hohe Komitee den Generalstreik an und eine Gruppe Palästinenser griff jüdische Busse an. Als in Haifa Irgun-Mitglieder Granaten in eine Gruppe arabischer Arbeiter werfen und sechs von ihnen töten, bringt der wütende Mob 39 Juden um, wonach Hagana das Dorf Balad al-Sheikh massakriert. Mit dem Beginn des Jahres 1948 eskalierten Beschuss, Minen, Überfälle, Hinterhalte, Vergeltungen und Vergeltungen der Vergeltungen zu einem regulären Bürgerkrieg. Im Februar verhängte al-Husseini die Blockade des jüdischen Teils Jerusalems, die auch eine groß angelegte Operation Nachschon der Hagana mit tschechoslowakischer Unterstützung nicht brechen konnte. Einige jüdische Siedlungen mussten evakuiert werden, darunter die Jerusalemer Altstadt, in der Araber und Juden bis dahin in Frieden lebten. Vergeltungsmaßnahmen gegen arabische Dörfer, Vertreibungen und Massaker wie in Deir Yasin führten zur Evakuierungen und Flucht der arabischen Zivilbevölkerung. Ende März wurden 30 Dörfer verlassen, rund 100.000 Palästinenser sind in sicherere Teile Palästinas geflohen, bis sich die Lage beruhigt.

Statt dessen eskaliert sie weiter. Am 14. Mai erklärte Ben Gurion die Unabhängigkeit Israels. Der Verweis auf Grenzen in der UN-Resolution 181 wurde aus der Erklärung gestrichen, so dass Israel das einzige Land ohne Grenzen ist. Am nächsten Tag folgt die Invasion der vereinten Kräfte von Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Irak und der erste zehnmonatige israelisch-arabische Krieg beginnt. Hagana verwandelt sich in Zahal (IDF) - die regulären israelischen Streitkräfte - und nach einer Reihe von Konflikten ordnet sie auch Irgun und Lechi ein. International wird die Unabhängigkeit Israels von der UdSSR unterstützt, Frankreich leistet Geheimdienstunterstützung, die künftige Premierministerin Golda Meir sammelt in den USA Spenden, die Tschechoslowakei liefert Waffen und der Strom neuer Einwanderer frische Kämpfer. Auf israelischer Seite fordert der Krieg 6737 Opfer, auf arabischer schätzungsweise 7000.

Israel besetzte 60% der für den palästinensischen Staat ursprünglich bestimmten Fläche, das neue Territorium wird durch die Grüne Linie abgegrenzt. Mehr als 400 palästinensische Dörfer wurden zerstört, von den 1,2 Millionen Palästinensern befinden sich rund Dreiviertelmillion Flüchtlinge und Exilanten in palästinensischen Flüchtlingslagern in den Nachbarländern, 156.000 bleiben im Land als israelische Staatsbürger. Von Mai 1948 bis Ende 1951 verdoppelte sich die jüdische Bevölkerung durch die Einkunft von 700.000 Menschen, darunter 136.000 aus Sammellagern in Deutschland, Österreich und Italien, 270.000 aus Osteuropa sowie 300.000 Mizrachim, die nach der Erklärung Israels aus arabischen und nordafrikanischen Ländern vertrieben wurden. Allein aus dem Irak wanderte praktisch die ganze Diaspora von 100.000 Juden aus, die dort fast dreitausend Jahre im Frieden lebte.

Etliche orthodoxe Sekten lehnen das zionistische Projekt sowie die Existenz des Staates Israel ab, weitere halten ihn direkt für einen Feind des Judentums. Repräsentanten der Sekte Neturei-Karte beteten für Jassir Arafat vor dem französischen Krankenhaus, in dem er 2004 starb, und 2006 lobten sie Mahmud Ahmadineschād für seine Aussage an der der Teheraner Konferenz Die Welt ohne Zionismus, dass Israel aus den Seiten der Zeit verschwinden wird.

Der Staat Israel

Die Strukturen des neuen Staates werden von den polnischen und russischen Aschkenasim nach dem europäischen Modell parlamentarischer Demokratien mit allgemeinem Wahlrecht bestimmt: die Knesset, der Präsident sowie die Regierung unter der Leitung eines Premierministers, doch keine Verfassung, nur Grundgesetze.

In einer Quadratur des Kreises erklärt sich Israel sowohl demokratisch als auch jüdisch. Der Demokratie fehlt eben die Grundvoraussetzung der Gleichheit der Bürger; Apartheid ist ihre Verweigerung. Eine Reihe von Vorschriften unterscheiden nach ethnischen Kriterien. Israelische Palästinenser müssen nicht in der IDF dienen. Jüdische Einwohner israelischer Siedlungen in den besetzten Gebieten sind wahlberechtigt, doch nicht ihre palästinensischen Nachbarn. Staatsreligion gibt es offiziell nicht, doch, bis auf das Judentum unterliegen alle Religionen erheblichen Einschränkungen. Es gibt keine standesamtliche Ehe und Mischehen zwischen Juden, Muslimen, Christen und Drusen sind verboten. 1950 wurde das Rückkehrgesetz verabschiedet, wonach jeder Jude das Recht hat, als Einwanderer in dieses Land zu kommen. Es bezieht sich namentlich auf die Thora und den Mythos des verheißenen Landes. Angesichts der Kontroversen um die jüdische Identität wird in der Praxis das biologische Kriterium der rabbinischen Halacha angewendet nach dem Grundsatz, dass die Mutter immer sicher ist, der Vater nie: Ein Jude ist jemand, dessen Mutter und ihre Mutter jüdisch sind. Keine Nation, keine Religion, sondern Rasse.

Erschöpft vom Krieg und den hohen Kosten für die Integration der Hunderttausenden Einwanderern ist der neue Staat auf die Spenden von Juden aus aller Welt, die Wiedergutmachungszahlungen Deutschlands, hohe Steuern und nicht zuletzt auf die kollektivistische Begeisterung und die organisatorischen Fähigkeiten und Talente seiner Bevölkerung angewiesen. Die allgemeine Wehrpflicht - auch für Frauen - erleichtert die sprachliche und kulturelle Integration von Juden verschiedener Nationalitäten und Herkunft. Trotz der oft nur Grundbildung oder des teilweisen Analphabetismus der einreisenden mizrachimischen und äthiopischen Juden ist Israel seit den 1970er Jahren eines der Länder mit höchstem Bildungsniveau.

Heute ist es ein fortschrittliches Land mit modernster Wissenschaft, Technologie, Nuklearwaffen, dem Geheimdienst Mossad, der frei von allen gesetzlichen Einschränkungen weltweit operiert. Das Pro-Kopf-BIP ist das höchste im Nahen Osten, höher als das der Tschechischen Republik, die Israelis haben eine der höchsten Lebenserwartungen. Es bleibt jedoch durch eine Reihe tektonischer Linien tief zerrissen: Juden versus Araber, Aschkenasim versus Sephardim und Mizrachim, Säkularismus versus Bigotterie, Demokratie versus Chauvinismus, Kollektivismus versus Individualismus, Links versus Rechts, Kooperation versus Konfrontation, Frieden versus Eroberung.

In den 1950er Jahren haben palästinensische Fedajin aus Syrien, Ägypten, Jordanien und Gaza eine Reihe von Angriffen auf israelische militärische und zivile Ziele mit rund 200 Opfern gestartet, gefolgt von einer Reihe von Vergeltungen mit geschätzten 2700-5000 Opfern auf arabischer Seite. Als der von der Tschechoslowakei bewaffnete ägyptische Revolutionsführer und Präsident Gamal Abdel Nasser 1956 den Suezkanal verstaatlichte, fiel Israel in Ägypten ein und Großbritannien und Frankreich schlossen sich dem vereinbarten Szenario an. Die koloniale Invasion wird durch den gemeinsamen Druck seitens der USA, der UdSSR und der UNO gestoppt. In der Operation fielen auf der israelischen Seite 172 und auf der anglofranzösischen 26 Soldaten. Der Verlust Ägyptens wird auf mehr als 3.000 Opfer geschätzt, davon ein Drittel Zivilisten.

Mossad entführte im Mai 1960 Adolf Eichmann, einen der Hauptorganisatoren des NS-Völkermords, von Argentinien nach Israel. In einem neunmonatigen Prozess verurteilte ihn das Oberste Gericht Israels am 15. Dezember 1961 zum Tode. Am 31. Mai 1962 wurde er als einziger in der Geschichte Israels hingerichtet. Der Prozess trug zur Bildung der jüdischen Identität als einer Opferidentität bei. Viele Opfer ließen keinen Erben zurück und Israel behauptet, der kollektive Erbe der jüdischen Opfer zu sein. In dem Luxemburger Reparationsabkommen von 1952 verpflichtete sich die BRD zu Reparationszahlungen an Israel und an die US-amerikanische Konferenz für jüdische materielle Forderungen gegen Deutschland (JCC) in Höhe von 3,5 Milliarden DM über einen Zeitraum von 14 Jahren für die Entschädigung, Unterstützung, Integration und Niederlassung jüdischer Opfer.

In den 1950er Jahren begann Israel mit französischer Hilfe die Atombombe zu entwickeln, zunächst aus dem in den USA gestohlenen Uran. Bis 1960 war es ihm gelungen, die Entwicklung vor den USA geheim zu halten. Präsident John F. Kennedy wollte keine Atombewaffnung Israels zulassen, wurde jedoch im November 1963 ermordet und sein Nachfolger Lyndon B. Johnson war ein überzeugter Befürworter des zionistischen Projekts. Etliche Analysten meinen, dass das Attentat von Israel gesteuert wurde, was auch der dissidente israelische Atomwissenschaftler Mordechai Vanunu nicht ausschließt. Die Produktion eigener Atomwaffen begann um 1966. Als Frankreich 1967 die Unterstützung Israels einstellte, ergatterte Mossad Yellowcake, einen uranhaltigen Rohstoff, durch betrügerische Transaktionen, die gegen das Völkerrecht verstießen.

In den kommenden Jahren nehmen die Spannungen zwischen Israel, das von Frankreich, Großbritannien und den USA unterstützt und bewaffnet wird, und den arabischen Ländern, die inzwischen vom Sowjetblock unterstützt und bewaffnet werden, stetig zu. 1964 wurde in Jerusalem die Palästinensische Befreiungsorganisation (PLO) gegründet, die vom Palästinensischen Nationalrat und der mehrfach geänderten Palästinensische Nationalcharta geleitet wird. Ziel ist die Wiederherstellung der palästinensischen Heimat, in der ersten Version innerhalb der Grenzen, die es zur Zeit des britischen Mandats hatte durch Mittel des bewaffneten Kampfes.

Sechstage- und Yomkipur-Krieg

Am 5. Juni 1967 griff Israel den Ägypten unter dem falschen Vorwand an, zuerst selbst angegriffen zu werden. Später wurde der Angriff als präventiv gerechtfertigt mit der umstrittenen Begründung, dass Ägypten, Syrien und Jordanien einen Angriff auf Israel vorbereiteten. Unter der Führung von General Mosche Dajan und mit Geheimdienstinformationen aus den USA wurde gleich am ersten Tag die gesamte arabische Luftwaffe am Boden vernichtet, jordanische Gegenangriffe abgewehrt und israelische Panzer sind in Ägypten eingedrungen.

Am 8. Juni hat IDF das amerikanische Aufklärungsschiff USS Liberty angegriffen und erfolglos versucht, es zu versenken, offenbar mit der Absicht, Ägypten zu beschuldigen und die USA zu einer Intervention zu zwingen. Präsident Johnson gab sich mit der Erklärung zufrieden, der Angriff habe versehentlich stattgefunden. Die Präsenz der US-Flotte wurde jedoch zu einer Herausforderung für die UdSSR, die mit eigener Intervention drohte, um den arabischen Verbündeten zu helfen. Bis zum Waffenstillstand am 10. Juni steht die Welt am Rande des Dritten Weltkrieges.

Während des Sechs-Tage-Krieges Israel besetzte und teilweise bis heute okkupiert den Gazastreifen, die Sinai-Halbinsel, das Westjordanland, die syrischen Golanhöhen sowie Jerusalem mit insgesamt einer Million palästinensischen Einwohnern, von denen mehr als ein Viertel fliehen. Das israelische Friedensgebot Land für Frieden lehnt die Arabische Liga mit der Khartum-Resolution ab. Israelische Verluste liegen zwischen 776 und 983 Opfern, ägyptische zwischen 9800 und 15.000, syrische zwischen 1000 und 2000, jordanische um 700.

Infolge des Krieges brachen viele Länder, einschließlich Tschechoslowakei, die diplomatischen Beziehungen zu Israel ab. Präsident Charles de Gaulle beschrieb die Juden als machtgierig, Israel als expansionistisch und verhängte Embargo auf französische Waffenlieferungen in den Nahen Osten. Die Rolle eines Verbündeten, des wichtigsten Waffenlieferanten, eines Handelspartners und der diplomatischen Schutzherrschaft für Israel haben von Frankreich die USA übernommen. Die UdSSR hingegen wird Ägypten und Syrien mit modernen Waffen ausstatten. Bis 1970 gab es zwischen Israel einerseits und Ägypten, Jordanien und der PLO andererseits ein Abnutzungskrieg und verschiedene PLO-Fraktionen führten eine Reihe terroristischer Aktionen durch, einschließlich das Münchner Olympia-Attentat 1972.

Am 6. Oktober 1973 - zur Zeit von Jom Kippur, dem größten jüdischen Feiertag, sowie vom Ramadan - wird Israel unerwartet von einer von Ägypten und Syrien angeführten Koalition arabischer Länder angegriffen. In den ersten Tagen des Jom-Kippur-Krieges besetzte die ägyptische Armee die Sinai-Halbinsel und die syrische die Golanhöhen. Nach drei Tagen starteten IDF einen Gegenangriff. Sie umzingelten ägyptische Truppen auf dem Sinai, überquerten den Suezkanal und drängten in die Stadt Sues in Ägypten und nach Damaskus in Syrien vor. Der Waffenstillstand wurde am 25. Oktober geschlossen. Schätzungen israelischer Verluste schwanken zwischen 2500 und 2800 Toten, syrische zwischen 3000 und 3500, nach Schätzungen der USA gab es 13 000 ägyptische, 278 irakische und 23 jordanische Tote.

Der Jom-kippur-Krieg hatte etliche Konsequenzen. Im Zuge der angedrohten Intervention der UdSSR haben die USA mit der Stärkung ihrer Flotten- und Nuklearwaffenbereitschaft reagiert und erneut drohte eine direkte Konfrontation der Supermächte. US-Außenminister Henry Kissinger, der den Waffenstillstand vermittelte, leitete nach dem Krieg die Entspannungspolitik ein. Nach dem Scheitern der Genfer Nahostkonferenz von Ägypten, Jordanien, Israel und der UdSSR hat er den Plan zum Truppenabzug zwischen Ägypten und Israel sowie zwischen Syrien und Israel ausgehandelt.

Israel erhielt von den USA eine Hilfe in Höhe von 2,6 Mrd. USD und zog sich aus dem Suezkanal im Westen sowie an die Lila Linie auf den Golanhöhen zurück. Der Schock der ersten Tage führte zum Rücktritt der Regierung Golda Meir und zur Regierung von Jitzchak Rabin. Die arabische Welt hat sich vergewissert, dass sie Israel nicht militärisch besiegt, doch trotz siegreicher Euphorie erkannte auch Israel seine Verwundbarkeit. Arabische Ölländer haben Embargo auf Ölexporte in die USA und Länder, die Israel unterstützten, verhängt und eine internationale Ölkrise ausgelöst. Die diplomatischen Beziehungen zu Israel wurden sogar von den Dritten Welt Ländern unterbrochen, die mit ihm bis dahin freundschaftliche Beziehungen unterhielten. Die UN-Resolution 3379 von 1975 bezeichnete den Zionismus als eine Form von Rassismus und Rassendiskriminierung.

Der Rechtsruck

Im Mai 1977 vollzog sich ein innen- und außenpolitischer Wandel von linken kollektivistischen Werten zu rechter Beutegier. Die Arbeiterpartei, die seit der Unabhängigkeit regierte, wurde in der Parlamentswahl von dem rechtsextremen Likud Menachem Begins mit dem Programm der Annexion der Golanhöhen und der Expansion Israels durch den Ausbau israelischer Siedlungen in den besetzten Gebieten besiegt. Im November besuchte der ägyptische Präsident Anvar as-Sadat gegen den Widerstand arabischer Länder offiziell Israel, wo er von Menschenmassen entlang der Straßen begeistert begrüßt wurde. Im September des folgenden Jahres unterzeichneten sie mit Menachem Begin das Camp-Davids-Abkommen und erhielten dafür den Friedensnobelpreis. Israel zog sich vom Sinai zurück, doch nicht von Gaza, und Ägypten wechselte die Seiten vom sowjetischen Einflussbereich zu dem amerikanischen. Der Verrat arabischer Interessen und die bezahlte Partnerschaft mit den USA kosteten as-Sadat 1981 das Leben.

In den frühen 1980er Jahren bereitete sich der jüdische Untergrund darauf vor, die Al-Axa-Moschee in die Luft zu sprengen. Im Juni 1981 bombardierte und zerstörte Israel den im Bau befindlichen irakischen Atomreaktor. Im Februar 1982 veröffentlichte Oded Yinon den Strategieplan für Groß Israel durchs Sprengen der umliegenden arabischen Staaten.

Nach einer Provokation der PLO-Abspaltung Abu Nidals fällt Israel im Juni 1982 in den Libanon ein. Der Angriff, der von den maronitischen Phalangisten und dem freien libanesischen Staat unterstützt wurde, richtete sich gegen die PLO sowie gegen syrische, linke und muslimische Milizen. Ziel war es, die PLO und den syrischen Einfluss zu pazifisieren, die Regierung von Elias Sarkis zu stürzen, den christlichen Bachir Gemayel als Präsidenten einzusetzen und mit ihm ein Friedensabkommen zu unterzeichnen, das, wie Begin versprach, Israel vierzig Jahre Frieden sichern wird. Die Führung der PLO und Jassir Arafat wurden mit internationaler Unterstützung von dem belagerten und bombardierten Beirut nach Tunis evakuiert. Als Reaktion auf den israelischen Angriff wird im Libanon eine schiitische militante politische Organisation, die Hisbollah, gegründet.

Im September wurde Gemayel Opfer des Anschlags an das Zentrum der Kata’ib Partei (Phalange). Die IDF unter dem Kommando des künftigen israelischen Premierministers Ariel Scharon beschuldigte fälschlicherweise die PLO und stiftete die Phalangisten an, die palästinensischen Flüchtlingslager Sabra und Shatila von ihren Kämpfern zu säubern. Die Young Men Gang, wahrscheinlich unter der Führung von Elie Hobeika, einem Phalangistenführer und Verbindungsoffizier zum Mossad und zur CIA, hat zwischen dem 16. und 18. September in beiden Lagern unter dem Schutz und Unterstützung der IDF zwischen 1.200 und 3.500 palästinensische Männer, Frauen und Kinder massakriert. Die Generalversammlung der UNO klassifizierte den Massaker als Völkermord. 400.000 Menschen demonstrierten in Tel Aviv für den Frieden Jetzt. Niemand wurde bestraft. 1983 verklagte Ariel Sharon das Time Magazine auf 50 Millionen Dollar wegen Verleumdung durch die Behauptung, dass er es zuvor mit den Phalangisten abgesprochen habe. Andererseits verklagten ihn nach seiner Wahl zum Ministerpräsidenten im Jahr 2001 die Hinterbliebenen vor dem belgischen Gericht erfolglos wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Der Libanesischer Bürgerkrieg setzte sich mit geringerer Intensität bis 1990, als Syrien die Kontrolle über den Libanon übernahm. Die IDF zog sich in den Südlibanon zurück und okkupierte ihn bis 2000. Bis 1985 hat Israel 657 und bis 2000 weitern 559 Soldaten verloren. Nach Angaben der libanesischen Behörden betrugen die gemeinsamen libanesischen, palästinensischen und syrischen Verluste allein im 1982 19.085 Menschen, darunter 57% Zivilisten, zusätzlich die Opfer in Sabra und Shatila.

1983 wurde einer der Führer der Terroristengruppe Lechi Jitzchak Schamir zum Premierminister, einer der Befehlshaber der Eliteeinheit Palmach Yitzhak Rabin zum Verteidigungsminister und der militante Kurs des Siedlungsausbaus in den besetzten Gebieten sowie harter Repressalien zum Regierungsprogramm. 1987 brach die erste Intifada spontan aus, ein palästinensischer Aufstand des zivilen Ungehorsams, Demonstrationen Zehntausender mit Frauen und Kindern, Generalstreik, Boykott israelischer Institutionen, Graffiti, Barrikaden, brennende Reifen, Steine ​​und Molotowcocktails. Die israelische Reaktion der Stahlfaust hat die Intifada nur weiter angeschnürt: Schlagstöcke, Tränengas, Wasserwerfer, Gummigeschosse und scharfe Munition, Massenverhaftungen, Abschiebungen, Schulschließungen, Ausgangssperren, Abstellen von Strom, Gas und Wasser, Beschlagnahmungen, Hausabrisse, Fällen von Bäumen palästinensischer Bauern, Morde an palästinensischen Führern. Während des sechsjährigen Aufstands starben rund 200 Israelis und 1.200 Palästinenser, etwa ein Viertel von ihnen Kinder. 120.000 Palästinenser wurden verwundet, 1882 Häuser abgerissen.

Nicht nur Israel, auch die PLO-Führung in Tunis war von der Intensität des Protests überrascht. Auch ohne Führer und ohne Unterstützung arabischer Staaten schuf die spontane Bewegung ihre eigene Vereinigte nationale Führung, die die Proteste koordinierte und Gesundheitsfürsorge, Nahrungsmittelhilfe und Untergrundschulen organisierte. Im Gazastreifen wurde die Hamas, ein Ableger der ägyptischen Muslimbruderschaft gegründet um Palästina zu befreien, sowie der palästinensische Islamische Dschihad, ein Ableger des ägyptischen Islamischen Dschihad mit dem Ziel, Israel zu zerstören. Die Disproportionalität und Brutalität der Unterdrückung hat weltweit wie auch in Israel selbst Empörung ausgelöst. 100.000 Menschen demonstrierten für den Frieden Jetzt und das B’Tselem Informationszentrum für Menschenrechte wurde eingerichtet. Der UN-Sicherheitsrat forderte das Ende der Deportationen und die UN-Generalversammlung verurteilte die Repression wiederholt. Israel weigerte sich, die Resolution 672 des Sicherheitsrates und die internationalen Untersuchungen der Vorfälle zu respektieren.

Der Palästinensische Nationalkongress verabschiedete auf seiner Tagung in Algier im November 1988 die Palästinensische Unabhängigkeitserklärung. Yasser Arafat erhielt die Zustimmung für die Anerkennung Israels in den Grenzen vor dem Sechs-Tage-Krieg von 1967 und für eine Zwei-Staaten-Lösung. Bisher haben 137 von 193 UN-Mitgliedstaaten einschließlich der Tschechischen Republik, Österreich und Deutschland den unabhängigen Staat Palästina anerkannt.

Die Intifada endete 1991 mit der Madrider Konferenz unter der Teilnahme von den USA, der UdSSR, Israel und den arabischen Ländern einschließlich Jordanien, Libanon und Syrien. Voraussetzung für die Teilnahme Israels war die Rücknahme der UN-Resolution 3379, die den Zionismus als eine Form des Rassismus bezeichnet. Unter dem Druck von Präsident George H.W. Bush kam die Generalversammlung dem kuriosen Wunsch prompt noch im Dezember nach. Ob dadurch der Zionismus keine Form des Rassismus mehr ist, wurde nicht geklärt.

Direkte israelisch-palästinensische Geheimgespräche ebneten den Weg zu dem Osloer Friedensabkommen, das im September 1993 in Washington von den USA, Russland, Israel und PLO unterzeichnet wurde. Das Abkommen sieht den Rückzug Israels aus Teilen des Gazastreifens und der Westbank sowie die Bildung einer vorübergehenden Palästinensischen Autonomiebehörde (PAS) vor, mit der in den nächsten vier Jahren vier wichtige Fragen des israelisch-palästinensischen Konflikts verhandelt werden sollen: Israels Grenzen, Status von Jerusalem, palästinensische Flüchtlinge und Siedlungen in den besetzten Gebieten. Premierminister Yitzhak Rabin, Außenminister Simon Peres und PLO-Präsident Yasser Arafat erhielten dafür 1994 einen weiteren Friedensnobelpreis.

Das amerikanische Jahrhundert

Doch für die israelische und amerikanische zionistische Rechte sind die Festlegung von Grenzen, der Rückzug aus den besetzten Gebieten sowie die Anerkennung der palästinensischen Autonomie ein Verrat. Yitzhak Rabin wird es im folgenden Jahr bezahlen; im Namen der Thora und des Volkes Israel wird ihn Jigal Amir umbringen. Für Benjamin Netanjahu, den israelischen Ministerpräsidentschaftskandidat, entwickelte die von Richard Perle geleitete Study Group on a new Israeli Strategy in Washington 1996 die Strategie Sauberer Schnitt, einen Plan, das den Rückzug aus dem Oslo-Abkommen sowie das Sprengen der umliegenden arabischen Staaten nach dem Yinons Plan von 1982 vorsieht. Der Plan wurde abgelehnt, doch ein Jahr später ist Perle einer der Unterzeichner des neokonservativen Projekts für das Neue Amerikanische Jahrhundert (PNAC), der unter dem Motto der globalen Führung der USA in der unipolaren Welt u. A. einen Angriff auf den Irak vorsieht. Ein katastrophales katalytisches Ereignis wie Pearl Harbor fehle jedoch, um die Bürger zu überzeugen.

Im Juli 2000 lud Präsident Bill Clinton Yasser Arafat und Premierminister Ehud Barak nach Camp David ein. Die Gespräche scheiterten schließlich an den Fragen der Grenzen, des Jerusalems, der Flüchtlinge und deren Rückkehr sowie an den israelischen Sicherheitsansprüchen. Doch die Verhandlungen wurden im folgenden Jahr in der Sinaistadt Taba immerhin fortgesetzt. Beide Parteien äußerten sich, dass sie einer endgültigen Vereinbarung näher gekommen sind als je zuvor. Weitere Verhandlungen wurden durch die israelischen Wahlen unterbrochen und der neue Premierminister Ariel Sharon hat sich geweigert, Arafat zu treffen.

Im September 2000 besuchte Sharon mit einer Likud-Delegation, begleitet von Hunderten von Polizisten, den Felsendom am Tempelberg. Die Provokation löste die zweite Intifada aus. In den ersten Tagen feuerte die IDF 1,3 Millionen Geschosse gegen die Jungen ab, die Steine ​​warfen. Tod den Arabern, rief am 8. Oktober der Mob, der die Palästinenser ​​in Tel Aviv und anderswo mit Steinen beworfen hat. Israel reagierte auf die Ermordung von zwei Reservisten im Oktober mit einer Serie von Luftangriffen an die PAS-Einrichtungen auf den Westufern und im Gazastreifen. Nach der Abbrechung der Taba-Gespräche folgte eine Reihe von Attentaten, Selbstmordattentaten, bewaffneter Zusammenstößen, Bombardierungen Israels durch die neu entwickelten Kassam-Raketen, die mit dem Schwarzen März 2002 ihren Höhepunkt erreicht hat. Auf das Passah-Massaker, bei dem 28 Israelis getötet wurden, folgte die Operation Schutzschild zur Belagerung und Zerstörung von Arafats Hauptquartier in Ramallah sowie zur Besetzung aller wichtigen palästinensischen Städte. Es starben dabei 30 IDF-Soldaten und bis zu 500 Palästinenser. Arafat wird als völliges Hindernis für den Versöhnungsprozess bezeichnet, das Israel auf eine Weise und zu einem Zeitpunkt entfernen wird, die noch zu bestimmen sind.

Zehn der 25 PNAC-Unterzeichner werden im Januar 2001 Schlüsselpositionen in der Administrative und Außenpolitik des Präsidenten George W. Bush einnehmen und gleich am 11. September wird das vermisste katastrophale katalytische Ereignis eintreten. Die offizielle Verschwörungstheorie schreibt den Angriff der Terrororganisation al-Qaida zu, die in den 1980er Jahren von der CIA in Afghanistan ins Leben gerufen wurde, doch die Mehrheit der Menschen glaubt es nicht. In den USA ist eine ganze Zivilbewegung entstanden, um die Wahrheit zu enthüllen. Sicher ist, dass Mossad zumindest über den Ort, die Zeit und die Art des Angriffs Bescheid wusste, dass er die amerikanische Seite nicht warnte und dass Benjamin Netanjahu den Angriff als vorteilhaft für Israel einstufte. Viele Beobachter sehen den wahren Drahtzieher der Anschläge vom 11. September in Israel.

Als Reaktion startete die Bush-Regierung den Krieg gegen den Terror. Noch im Oktober fielen die USA in Afghanistan ein. Das war der Anfang, die Absicht war, in den nächsten fünf Jahren sieben Länder anzugreifen: Irak, Syrien, Libanon, Libyen, Somalia, Sudan und schließlich den Iran. Unter erlogenen Vorwänden marschierten die USA zwei Jahre später in den Irak ein. Das US-Projekt der Umzeichnung des Nahen Ostens nach dem Perles Sauberer Schnitt-Plan wurde von der US-Außenministerin Condoleezza Rice im Juni 2006 in Tel Aviv vorgestellt.

Auf Drängen von George W. Bush ernannte Yasser Arafat im März 2003 den palästinensischen Ministerpräsidenten Mahmud Abbas. Anschließend wurde der Reiseplan zum Frieden von Bush veröffentlicht: Beendigung der Gewalt, Einstellung des Siedlungsaufbaus, Reform der PAS, Anerkennung des Existenzrechts Israels und Errichtung eines lebensfähigen palästinensischen Staates. Abbas stimmte dem Plan zu, Hamas lehnte ihn ab, Sharon schloss den Baustop sofort aus und stellte eine Reihe von Bedingungen. Doch am 29. Juni erklärten die palästinensischen Milizen einen vorübergehenden Waffenstillstand. Am 1. Juli trafen sich Sharon und Abbas in Jerusalem. Die IDF zog sich am 2. Juli aus Bethlehem zurück, doch am nächsten Tag tötete sie zwei weitere Zivilisten und die Spirale der Gewalt schlug erneut auf.

Im April 2004 kündigte Ariel Sharon einen einseitigen Rückzug aus dem Gazastreifen an, einschließlich der Zerstörung israelischer Wohnsiedlungen, jedoch nicht das Ende der Blockade. Gaza ist zu palästinensischem Ghetto geworden. Umgehend bezeichnete George W. Bush die bisherige offizielle Position der USA, die die Grenzen Israels in der Grünen Linie von 1949 sieht, als unrealistisch, da ein Abkommen neue Realitäten berücksichtigen muß. Palästinensische Flüchtlinge sollen sich in dem geschaffenen palästinensischen Staat und nicht in Israel niedergelassen. Doch an der Pressekonferenz mit Abbas im Mai erklärte er, dass ein gegenseitiges Einvernehmen erforderlich sei, um die Grenzen zu ändern, und dass die Westbank ein durchgehendes ungestörtes Territorium mit einer sinnvollen Verbindung zu dem Gazastreifen bilden müsse.

Am 12. Oktober erkrankte Yasser Arafat unerwartet und am 29. Oktober wurde er in das französische Militärkrankenhaus verlegt, wo er am 11. November verstarb. Die Todesursache ist bisher nicht geklärt. Der Verlauf sowie die Befunde entsprechen keiner bekannten Krankheit und keinem bekannten Gift. Im Jahr 2012 brachte Al Jazeera eine Dokumentation darüber, dass er durch Polonium vergiftet wurde. Arafats Körper wurde exhumiert und von französischen, schweizerischen und russischen Experten untersucht. Laut einer anderen Dokumentation von Al Jazeera aus dem Jahr 2013 fand das Schweizer Team in den Überresten eine erhöhte Dosis an Polonium und ist zu 83% davon überzeugt, dass er vergiftet wurde. Die beiden anderen Teams veröffentlichten die Ergebnisse auf Ersuchen der PAS nicht, doch das Polonium als Todesursache bezweifeln sie. Viele Beobachter sind jedoch aufgrund aller Indizien von der israelischen Täterschaft überzeugt - die israelische Regierung hatte die Gelegenheit und die Mittel dazu, kündigte Arafats Entfernung im Voraus und versuchte bereits mehrmals ihn zu ermorden.

Bei den Wahlen im Januar 2005 wurde Mahmoud Abbas als palästinensischer Präsident bestätigt. Im Februar traf er Ariel Sharon, den ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak und den jordanischen König Abdullah II. bin al-Hussein zu einem Waffenstillstandsabkommen zwischen Israel und der PAS. Angesichts der anhaltenden israelischen Blockade des Gaza-Ghettos hielten jedoch die Hamas und der Islamische Dschihad das Abkommen nicht für verbindlich und Angriffe, Raketenbeschuss und Kämpfe auch zwischen den palästinensischen Fraktionen wurden sporadisch fortgesetzt. Israelische Verluste der Intifada sind über 1.000 Opfer, mehr als im Sechs-Tage-Krieg und dem Abnutzungskrieg. Die palästinensischen Verluste werden auf 4800 Todesfälle geschätzt, darunter fast 1.000 Kinder und Minderjährige unter 17 Jahren.

Die zweite Intifada wird definitiv erst im folgenden Jahr mit der Fertigstellung der israelischen Mauer enden, die nach dem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs einen Verstoß gegen das Völkerrecht darstellt. Allmählich hat sich die internationale BDS-Bewegung für Boykott, Rückzug von Investitionen und Sanktionen gegen Israel nach dem Vorbild des früheren Boykotts der südafrikanischen Apartheid etabliert und verbreitet.

Auf die grenzüberschreitenden Angriffe von Hisbollah im Juli 2006 reagierte die Regierung von Ehud Olmert mit einer neuen Invasion in den Südlibanon mit dem Ziel, die Hisbollah von hier aus zu zerstören. Überraschenderweise erwies sie sich jedoch als gleichwertiger Gegner. Sie reagierte auf den massiven israelischen Bombenhagel durch einen ebenfalls massiven Beschuss der nordisraelischen Städten mit den Katjuscha-Raketen, den die IDF nicht verhindern konnte, und fügte den IDF auch in den Bodenkämpfen erhebliche Verluste zu. Im August zogen sich die IDF aus dem Libanon zurück. Fast 1.200 Menschen wurden auf libanesischer Seite getötet, doch nur etwa 250 Hisbollah-Kämpfer, der Rest Zivilisten. Die Verluste Israels betrugen 121 Soldaten und 44 Opfer des Raketenschusses. Hisbollah sieht das Ergebnis als ihren Sieg an, denn mit relativ geringen Verlusten gelang es ihr, der israelischen Übermacht zu trotzen und bis zum Kämpfende auszuharren. Eine Welle von Empörung in Israel führte zur Untersuchung des Versagens der IDF durch die Winograd-Kommission. Unabhängige Organisationen und UN-Vertreter beschuldigten beide Seiten, insbesondere Israel, der Kriegsverbrechen.

Bei den Wahlen zum Palästinensischen Legislativrat im Januar 2006 gewann überraschend die Hamas und bildete eine neue Regierung, worauf Israel Gaza für feindliches Territorium erklärte. Im Juni töteten die IDF beim Beschuß der Startrampen an der Küste des Gazastreifens eine siebenköpfige palästinensische Familie. Die Hamas brach den Waffenstillstand von 2005 ab und es entflammten neue Kämpfe im Gazastreifen, die im Dezember 2008 durch eine als Gaza-Massaker bekannte Luft-, See- und Bodenoperation Gegossenes Blei gipfelte. Ziel waren nicht nur die palästinensische Milizen, sondern auch die Polizei, die Medien und zivile Ziele. Die Land-, Luft- und Seeblockade von Gaza hat zu einer humanitären Krise geführt, zur Zerstörung von Lebensgrundlagen, der Versorgungsinfrastruktur, zu Hunger und zur Wasserknappheit. Bis zu 1.400 Menschen wurden auf palästinensischer Seite getötet, darunter etwa 240 Kämpfer, 250 Polizisten und über 900 Zivilisten, davon hundert Frauen und fast dreihundert Kinder. Israel verlor zehn Soldaten - vier von ihnen durch Eigenbeschuß - und drei zivile Opfer des Raketenbeschusses.

Die offensichtliche Unangemessenheit und Brutalität der Vergeltungsmaßnahmen, die Blockade des Gazastreifens sowie begangenen Verbrechen gegen das Völkerrecht führten zur Einrichtung einer UN-Erkundungsmission. Der endgültige Goldstone-Bericht wirft beiden Seiten Kriegsverbrechen vor. Der palästinensische Beschuss unterscheidet nicht zwischen militärischen und zivilen Zielen. Auf israelischer Seite verzeichnet die Mission eine Reihe gezielter Angriffe auf zivile Objekte wie Krankenhäuser, Wasserwerke und Lebensmitteleinrichtungen, den Einsatz von Phosphorbomben, menschlicher Schutzschilde und Folter.

Die humanitäre Krise im Gaza-Ghetto löste eine Welle des Widerstands sowie der Solidarität nicht nur im Ausland, sondern auch in der israelischen Armee und den Geheimdiensten. Im Mai 2010 versuchte eine Internationale Friedensflotte die Blockade durchzubrechen, doch IDF-Truppen griffen das Schiff in internationalen Gewässern an und töteten 10 Friedensaktivisten. Unter dem Druck der internationalen Empörung hat Israel die Blockade von Gaza etwas gelockert. Die ethnische Säuberung Jerusalems verläuft inzwischen subtiler ohne offene Gewalt.

Im Laufe der Jahre trat Israel der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bei, unterzeichnete Freihandelsabkommen mit der EU sowie mit der Europäischen Freihandelsassoziation, den USA und einer Reihe von Ländern des Nahen Ostens und Amerikas, baute Beziehungen zu den Mitgliedsländern der sunnitischen Arabischen Liga auf und konzentrierte sich auf das verbleibende Iran und seine Massenvernichtungswaffen. Der arabisch-israelische Konflikt wurde schrittweise durch die iranisch-israelischen Proxy-Konflikte überlagert.

2009 versuchte der neue US-Präsident Barack Obama einen Neubeginn der israelisch-palästinensischen Beziehungen zu vermitteln. Auf seinem Weg durch die muslimischen Länder hat er sich wiederholt gegen den Bau israelischer Siedlungen und für die Errichtung eines palästinensischen Staates ausgesprochen. Er widersetzte sich dem israelischen Druck und schloss das Atomwaffenabkommen mit dem Iran (JCPOA). Die angespannten Beziehungen zwischen den USA und Israel gipfelten, als Netanjahu den US-Kongress 2016 gegen Obamas Willen in den Krieg gegen den Iran drängte und die USA die Annahme der UN-Sicherheitsrats-Resolution ermöglichten, die den Bau israelischer Siedlungen als flagranten Verstoß gegen das Völkerrecht verurteilt. Doch im September versprachen die USA, in den nächsten zehn Jahren Israel eine Hilfe in Höhe von 38 Milliarden US-Dollar zukommen zu lassen. In seinen letzten Amtsstunden hat Obama auch die PAS mit 221 Millionen Dollar unterstützt, aber Trumps neue Regierung hat die Zahlung eingefroren.

Mit den US-Wahlen 2016 hat sich die Situation umgekehrt. In der internationalen Politik unorientierter Donald Trump verläßt sich auf die Christlichen Zionisten Vizepräsidenten Mike Pence und Steve Bannon, seine Tochter Ivanka Trump, die zum orthodoxen Judentum konvertierte, sowie auf ihren Ehemann Jared Kushner, der eine sehr persönliche Beziehung zu Israel unterhält, auf den Berater für Israel Jason Greenblatt, den Botschafter in Israel David M. Friedman und natürlich auf eigene Geschäftsinteressen. Zum Entsetzen der internationalen Gemeinschaft lehnte er im Februar 2017 die Zwei-Staaten-Lösung ab, im Dezember erkannte er Jerusalem als Hauptstadt Israels an und im Mai 2018 zog die US-Botschaft von Tel Aviv hierher. Zur gleichen Zeit zog sich Trump aus der JCPOA mit dem Iran zurück, im Januar 2019 beendete die US-Hilfe für palästinensische Flüchtlinge mit der Folge einer drohenden humanitären Katastrophe und erkannte die israelische Annexion der Golanhöhen im März an. Eine weitere zu erwartende euphorische Aktion dürfte die Anerkennung der Annexion der West Bank sein.

Das 2017 von Trump avisierte Abkommen des Jahrhunderts, das die israelische Dominanz stärkt, einschließlich des Baus von Wohnsiedlungen, im Austausch für die finanzielle Unterstützung der PAS und Aufhebung der Gaza-Blockade, hat auf der arabischen Seite kaum Chancen. Trump und die USA sind kein akzeptabler Partner mehr, Palästina steht nicht zum Verkauf und der Plan erklärt auch nicht, wer, wann und wie die versprochenen 50 Milliarden Dollar zu zahlen hat.

Am 30. März 2018 starteten die Palästinenser in Gaza den Großen Marsch der Rückkehr, eine Reihe von im Wesentlichen friedlicher Freitagsdemonstrationen in der Nähe der Mauer gegen die unerträglichen Lebensbedingungen im Ghetto und für das Recht auf Rückkehr. Nach der Eröffnung der US-Botschaft in Jerusalem eskalierten sie weiter und dauerten bis März 2019. Gruppen radikaler Jugendlicher entzündeten einen Rauchschutz gegen israelische Scharfschützen und ließen Papierdrachen mit einem Feuersatz über die israelische Seite aufsteigen und verursachten zahlreiche Brände. Die israelische Seite reagierte abermals mit brutaler Gewalt, Tränengas und scharfem Feuer.

Bis Ende 2018 starb auf israelischer Seite ein Soldat und ein weiterer wurde verwundet. Auf palästinensischer Seite wurden 189 Menschen erschossen, darunter fünfunddreißig Kinder, eine Frau, zwei Journalisten, drei gekennzeichneten Sanitäter und drei Behinderte. Über 6.000 Menschen wurden verletzt, darunter 1850 Kinder, 424 Frauen, 115 Mediziner und 39 Journalisten. Der Beschuß israelischer Scharfschützer war gezielt und unter Verwendung von expansiver Militärmunition, die bei etwa der Hälfte der Verletzten, meist junger Männer, zu lebenslangen Behinderungen führt. Der Transport zu besser ausgestatteten Krankenhäusern im Westjordanland wurde verboten, so dass für etliche Verwundete nur Gliedmaßenamputationen als Rettung in Frage kamen. Die Untersuchungskommission des UN-Menschenrechtsrats stellte weit verbreitete Menschenrechtsverletzungen und mutmaßliche Kriegsverbrechen fest, fordert die israelische Regierung zu Ermittlungen auf, fordert ein Waffenembargo gegen Israel sowie die Auslieferung der Kriegsverbrechern an den Internationalen Strafgerichtshof (ICC). Unterdessen haben jedoch die USA den Beamten des ICC verboten, die Kriegsverbrechen in Afghanistan und Israel zu untersuchen.

Am 19. Juni 2018 erklärte sich Israel mit der Hauptstadt Jerusalem und der Staatssprache Hebräisch zum Nationalstaat des jüdischen Volkes. Das Gesetz räumt den Juden das ausschließliche Selbstbestimmungsrecht ein, erklärt den Bau von Wohnsiedlungen in den besetzten Gebieten zum nationalen Wert und beauftragt die Regierung mit seiner Unterstützung, Umsetzung und Konsolidierung. Netanjahu arbeitet weiter an dem Krieg gegen den Iran, obwohl die Mehrheit der Amerikaner dagegen ist und selbst die amerikanischen Juden mit der Trumps Israel Politik nicht einverstanden sind. Das ist jedoch der momentane Zustand.

Übersetzung aus dem tschechische Original: Židé I - kořemy von 17. Juli 2019
Zweiter Teil:: Juden II - Identität und Macht